Das Äußere der Ludwigskirche



Grundriß der Ludwigskirche

Die Form des Grundrisses der Kirche ist ein griechisches Kreuz, das bedeutet, daß die Kreuzarme nahezu gleich lang sind. Die Kreuzform der Kirche kann man schon gut an ihrem Äußeren ablesen.
Warum ist der Grundriß des Bauwerks ein Kreuz?
Die Antwort ist einfach. Der kreuzförmige Grundriß der Kirche weist auf Bedeutungsinhalte hin, von denen in und an dieser Kirche die Rede sein wird: Es geht um die Verkündigung des Evangeliums, um die gute Botschaft Gottes an dem Menschen, nämlich, daß er ihn lieb hat. Nach christlicher Lehre ist das größte Zeichen für diese aufopferungsvolle Liebe das Leben, das Leiden und Sterben Jesu Christi, der als Gottessohn bekannt und geglaubt wird. Der Tod Jesu am Kreuz auf dem Berg Golgatha vor der Stadt Jerusalem unmittelbar vor dem Passahfest der Juden macht deutlich: "Gott hat sich dem Menschen so sehr genähert, daß er auch das Schwere und den Tod des Gottessohnes auf sich nahm".
Die Überwindung des Todes durch die Auferstehung wird allen, die daran glauben, zur Hoffnung auf ein erfülltes, glückliches und ewiges Leben. Die Verkündigung des Leidens, Sterbens und Auferstehens ist das Zentrum, die Mitte christlicher und insbesondere evangelische Lehre. Auf diesen Mittelpunkt des Glaubens weist die Kirche mit ihrer Kreuzform hin. Der wesentliche Inhalt der christlichen Verkündigung ist demnach das Kreuz.






Ostfassade der Ludwigskirche

Betrachten wir nun die Kirche etwas genauer:
Wir sehen, daß Stengel verschiedene Fenstertypen in den Wandflächen eingebaut hat. Er spielt mit den Formen. Außer über dem Eingang stehen stets drei Fenster übereinander.
Am Eingang ist es nur ein Oberfenster. Sonst haben wir eine Dreiteilung:
Im Sockel die querliegenden Ovalfenster und darüber die langen Hochfenster, die wiederum mit kunstvollen Bildhauerarbeiten optisch an die darüber befindlichen hochstehenden Ovalfenster angebunden werden. Die einzelnen Wandflächen werden zudem durch rechteckige Wandvorlagen, durch Pilaster gegliedert.
Die Pilaster haben eine "ionische" Ordnung mit Kapitellen sogenannter "teutscher Ordnung". Bei diesen Pilastern ergibt sich die Höhe aus dem Vierzehnfachen der Breite. Wir können feststellen, daß sich in den beiden Oberfenstern neben dem Eingang die Gestaltungsprinzipien der querliegenden und hochstehenden Ovalfenster vereinigen. Es handelt sich um "Vierpaßfenster" oder auch nach den Dekorationen genannt: "Rosenfenster", die eine Weiterentwicklung der im Barock üblichen Fensterformen darstellen.
Wenn wir um die Kirche herumgehen, stellen wir fest, daß Stengel an den Ecken der Kirche einen weiteren "Kunstgriff" angewendet hat. Dort sind die Ecken abgerundet. Sie sind fein profiliert und haben dadurch eine überraschende Wirkung: Die Ecke wird zu einer Art "Scharnier", das zwei unterschiedliche Seiten miteinander verbindet und einen harmonischen Übergang schafft. So wird eine optische Zusammengehörigkeit für alle Seiten der Kirche erzielt. Letztlich wird jede Seite zu einer gleichwertigen Schauseite, und diese Schauseiten werden geschickt miteinander verbunden.






Westfassade der Ludwigskirche

Die Westfassade der Ludwigskirche:
Die Eingangstüre ist niedriger als die anderen Türen, die Dekoration sparsam. Nur die beiden Evangelisten Lukas und Johannes sind in den zugedachten Nischen zu sehen, und oben auf der Attika standen vor dem Krieg auf jedem Postament biblische Symbolfiguren und Skulpturen, die die christliche Tugend verkörperten.
Im Blick mit dem Spiel der Größenverhältnissen und Proportionen birgt die Ludwigskirche noch eine weitere Überraschung, wenn wir uns dem Turm nähern. Optisch springt er in den Platzraum hinein. Durch die sich nach oben hin verringernde Geschoßhöhe wird das Auge über die tatsächliche Höhe des Turmes getäuscht. Außerdem ist der Anblick überraschend, wenn wir ihn mit unserem ersten Eindruck von der Ostfassade, d.h. von der Wilhelm-Heinrich-Straße her, vergleichen. Der Turm ist an den kreuzförmigen Kirchenbau angegliedert und hat einen für damalige Zeit ungewöhnlich flachen Abschluß. Der Turm und die ganze Fassade bilden eine weitere und sehr schöne Schauseite.
Wenn wir um die Kirche herum gehen, sehen wir die künstlerisch anspruchvoll ausgearbeiteten Symbolfiguren der vier Evangelisten. Auf der Attika, eine Art Balkongitter als Abschluß des Mauerwerkes zum Dach hin, finden wir einzelne Figuren, die sich bei genauerer Batrachtung als bestimmte Menschen herausstellen.




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